Der Vorführplan!
Anläßlich der Hamelner Modellbautage 98 erstellte
ich für die beiden Schiffe Bismarck und Osiris einen Vorführplan. Irgendwann
wird dies unerläßlich, bei der Vorstellung läuft
man sonst Gefahr, eine Funktion einfach zu übergehen.
Die Situation!
Das Schlachtschiff "Bismarck" liegt irgendwo an
der Ostseeküste in einem Hafen "Auf Reede vor Anker".
Das Schiff hat seine letzte Werftinspektion in Hamburg am 08.
März 1941 abgeschlossen. Hier erhielt Sie auch den Tarnanstrich
für Rumpf und Aufbauten, dieser wurde später vor ihren
ersten Kriegseinsatz in Bergen wieder entfernt. In Gotenhafen
wurden das letzte E-Meßgerät eingebaut, so das jetzt,
18 Monate nach Stapellauf, das Kriegsschiff komplett und voll
einsatzfähig ist.
Der Beginn der Vorführung:
Die "Bismarck" hat "Dampf aufgemacht"
und der Hafenschlepper "Osiris" liegt vor dem Bug.
Er hat vorschriftsmäßig die entsprechende Beleuchtung
gesetzt und die Schleppleine der ankernden "Bismarck"
übernommen.
1. Die Schiffsglocke der "Bismarck" ertönt
und schlägt 15 Uhr gleich 3 Glasen.
2. Auf der "Osiris" wurde das "Bereit
machen" der "Bismarck" bemerkt und der Hafenschlepper
ruft nun durch seine Schiffsglocke die "Mannschaft auf ihre
Stationen".
3. Die Positionsbeleuchtung der "Bismarck"
und ihre Decksbeleuchtung werden eingeschaltet. Da das Schiff
im Konvoi fahren soll wurde der hintere Scheinwerfer am Großmast
ebenfalls eingeschaltet.
4. Die "Bismarck" gibt mit ihren Thypon das
Zeichen "Alles klar zum Auslaufen".
5. Auf der "Osiris" wird ebenfalls "Alles
klar" mit der Dampfpfeife signalisiert.
6. Das Schlachtschiff geht "Anker auf". Der
Anker wird eingeholt.
7. Nachdem der Anker ordentlich in der Klüse ist,
gibt die "Bismarck" per Thypon
das Zeichen zum vorsichtigen Anschleppen.
8. Der Hafenschlepper startet seine Dampfmaschine,
sie ist deutlich zu hören, und setzt sich durch die schwere
Last am Haken mit erheblicher Verzögerung in Bewegung.
9. Langsam schleppt die "Osiris" das Schlachtschiff
von seinem Platz.
10. Um in den bösen Zeiten noch ein bisschen Tradition
zu erhalten wird über die Bordlautsprecher der "Bismarck"
die alte Abschiedsmelodie "Muss i denn" gespielt.
11. Der Schleppverband hat das offene Fahrwasser erreicht
und die "Bismarck" gibt ein Zeichen (Thypon) das sie
die Schleppleine abwirft.
12. Das Schiff wirft die Schleppleine ab.
13. Die "Osiris" grüßt noch einmal die
"Bismarck" mit ihrer Dampfpfeife, wünscht "Gute
Fahrt" und kehrt dann zum Hafen zurück.
14. Das Schlachtschiff hat das Auslaufmanöver beendet
und die Nock der Kommandobrücke wird nicht mehr benötigt
und würde außerdem im Feuerbereich der Mittelartillerie
liegen. Somit wird diese nach hinten geschwenkt.
15. Die "Bismarck" geht aus eigener Kraft auf "Kleine
Fahrt" (eine Schraube) und überprüft ihre Manövrierfähigkeit.
16. Das Schiff geht auf "Äußerste Kraft"
(drei Schrauben). Die Maximalleistung betrug 3 x über 50.000
PS und verlieh dem Schiff eine Geschwindigkeit von ca. 30,6 Knoten
(58 km/h).
17. Wieder auf "Kleine Fahrt" gegangen wird an Bord
"Alarm, alle auf Gefechtsstation" ausgelöst. Bei
der deutschen Kriegsmarine gab und gibt es noch heute hierzu
eine elektromechanische Starkton-Klingel.
18. Die Positions und Decksbeleuchtung wird abgeschaltet.
19. Die drei E-Meßgeräte mit den gitterförmigen
Richtantennen (Spitzname: Matratzen) werden aktiviert und beginnen
den Horizont abzusuchen.
20. Die vier Hauptgeschütze schwenken aus. Jeder dieser
Türme wog ohne Fundament und Führungsschacht ca. 1.000 Tonnen
und konnte mit ihren Doppelrohren pro Minute 3 mal feuern.
21. Die 38 cm Hauptgeschütze feuern. Deutlich sind die
Mündungsfeuer und der Explosionslärm wahrzunehmen.
Die Geschosse wogen 800 kg und hatten eine Reichweite von 35,5
km. Hierzu waren pro Schuß 212 kg Schwarzpulver notwendig.
22. Die drei Doppeltürme der 15 cm Mittelartillerie schwenken
Backbords (links) aus.
23. Die Mittelartillerie feuert. Auch dies ist klar zu hören
und an den Mündungsblitzen zu erkennen.
24. Die Mittelartillerie schwenkt in die Ausgangsposition
zurück.
25. Auf dem Schiff wird "Fliegeralarm "gegeben.
26. Die Flakscheinwerfer werden gezündet und leuchten
auf.
27. Die schweren 10,5 cm Doppelflakgeschütze feuern Salven.
Optisch und akustisch sind die Feuerstöße zu erkennen.
28. Die 3,7 bzw. die 2 cm Maschinenkanonen feuern zusätzlich
längere Schußfolgen. Auch diese sind zu hören.
29. Der Gefechtslärm ebbt langsam ab.
30. Die "Bismarck" vermutet in der Nähe feindliche
U-Boote, deshalb wird das U-Boot-Ortungssystem aktiviert. Deutlich
klingt das "Ping"
durch das Wasser.
31. Nach einiger Zeit erscheint "U 107" in einiger Entfernung. Es hat
das deutsche Ortungssignal erkannt und gibt sich zu erkennen.
32. Die "Bismarck" verlangsamt die Fahrt und "U
107" geht auf Parallelkurs.
33. Da "absolute Funkstille" herrscht, werden über
die Waterprof-Lampe, bzw. mit den Morsescheinwerfer aktuelle
Informationen ausgetauscht. Entsprechend blitzen am U-Boot-Turm
und Hauptgefechts-Turm der Bismarck wechselseitig die Lampen
auf.
34. Nach einiger Zeit läuft "U 107" wieder
ab und das Schlachtschiff wünscht den "Grauen Wölfen"
mit dem Thypon noch "Gute Jagd".
35. Weiterhin zur Verbesserung der Situation wird eines der
vier Bordflugzeuge Typ: Arado 196 startklar gemacht.
36. Das Dampfkatapult fährt aus und der Propeller der
Arado setzt sich in Bewegung. Der Lärm des 7-Zylinder-Sternmotors
dröhnt über das Deck.
37. Bei dem Gefecht wurde jedoch die 53-Bar-Dampfleitung der
Schleuderanlage beschädigt, der Aufklärungsflug muß
somit ausfallen. Die Startanlage fährt wieder ein.
38. Sicherheitshalber soll der Schiffskörper von außen
gründlich inspiziert werden. Hierzu wird eine der Steuerbord-Barkassen
(rechts) von einem der beiden Hauptkräne angehoben und Außerbords
geschwenkt.
39. Langsam wird die Barkasse zu Wasser gelassen. Der Wellengang
auf offener See ist aber zu hoch, sodaß auch dieses Manöver
abgebrochen werden muß.
40. Die Barkasse wird wieder an Bord genommen und an seinem
entsprechenden Platz abgesetzt.
41. Wieder wird das Signal "Alarm, alle auf Gefechtsstation"
gegeben.
42. Diesmal schwenken die mittleren Steuerbord-Geschütze
aus.
43. Die 15 cm Steuerbord-Geschütze feuern.
44. Die Steuerbordgeschütze schwenken in die Ausgangsposition
zurück.
45. Das angenommene Gefecht wird immer heftiger. Die "Bismarck"
setzt alle zur Verfügung stehenden Geschütze ein. Abwechselnd
feuern alle Türme.
46. Die E-Meßgeräte sind ausgefallen und bleiben
stehen.
47. Die "Bismarck" feuert mit den Haupttürmen,
kurz darauf hört man das Heranpfeifen
einer gegnerischen Granate mit anschließender heftiger
Detonation.
48. Das Schiff erhält einen Treffer im hinteren Bootsdeck
am Hauptmast. Im zuckendem, roten Feuerschein quillt dichter
Rauch aus dem Bootsdeck.
49. Auf dem Schiff wird "Feueralarm" ausgelöst.
50. Zusätzlich zu der angenommen feindlichen Flotte wird
das Schiff wieder aus der Luft angegriffen. Die Flak greift in
den Kampf ein.
51. Die 38 cm Hauptgeschütze fallen aus.
52. Das Feuer am Bord ist nicht mehr einzudämmen, die
Kesselanlage wird wegen Explosionsgefahr herunter gefahren und
der Schornsteinrauch verschwindet.
53. Die Mittelartillerie auf Steuerbord fällt aus.
54. Das Schiff neigt sich langsam nach Steuerbord.
55. Die Backbordartillerie ist ebenfalls ausgefallen.
56. Die "Bismarck" liegt nun manövrier- und
kampfunfähig mit ca. 30 Grad Schlagseite nach Steuerbord
im Wasser.
57. Die Flak hat ebenfalls das Abwehrfeuer eingestellt.
58. Zum letzten Mal wird auf dem Schiff das Nebelhorn betätigt
und gibt fortlaufend das Signal "Alle Mann vom Bord, rette
sich wer kann".
55. Völlig Kampf- und Manövrierunfähig liegt
die Bismarck im Wasser. Zum Schluss erklingt der damals beliebte
(Durchhalte)- Schlager "Davon geht die Welt nicht unter"
von Zarah Leander.
Aus gegebenem Anlass hier nochmal der
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